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Gesitliche Genüsse und singendes Gottesvolk
In Wallbach machen sich drei Chöre auf den Weg, vier Kirchen zu besuchen. Gemeinsam zu singen und zu wandern. „Wir sind in diesem Jahr eine wandernde und singende Kirche“, freut sich Pfarrerin Gabriele Scheid. Ein bisschen wie das wandernde Gottesvolk, das mit Mose allerdings 40 Jahre auf Wanderung war.
Ralf Streck von erklärt derweil den 25 Besuchern im engen Turmzimmer der Walsdorfer Christuskirche, wie man einen Edelbrand richtig verkostet: „Vorsichtig einen kleinen Schluck auf die Zunge fließen lassen, und dann kosten. Immer in kleinen Schlucken. Und? Welche Obstsorten können sie herausschmecken?“ „Geistliche Genüsse für die Zunge und die Seele“, lautet dieser Programmpunkt in Walsdorf. Ganz ungewohnt, nach Stille und Gebet und dem Kindermusical davor.
Viele Kirchengemeinden öffnen nur für diese Nacht ihre Kirchentürme und bieten Führungen auf den Turm und zu den Glocken an. Sonst mache man das nicht, weil es so eng und staubig sei, erklärt Georg Klaffke aus Steinfischbach, während Gotthard Vogel gerade mit einer Besuchergruppe vom Turm kommt. „Es kommen hier ständig Leute, es ist ein Kommen und Gehen“, freuen sich zwei Ehrenamtliche.
In der überfüllten Heftricher Kirche ist das Musical mittlerweile voll in Gange. Der Kinderchor und der Jugendchor Cantabile zeichnen den Weg des großen Königs aus dem altern Testament nach. Beeindruckend sind die Sologesänge der jungen Mädchen des Jugendchors „Cantabile“, fast professionell begleitet sie der Kinderchor.
In Steinfischbach ist die Kirche von Harfenklängen erfüllt. Zwischendurch erzählt Harfenistin Katja Bauroth Engelsgeschichten. Drinnen wie draußen brennen überall Kerzen. Der Weg zur Kirche ist mit Lichtertüten geschmückt. Vor der Kirchentür gibt es Pfefferbutter, Sesam-Brezeln und andere Köstlichkeiten. An diesem Abend liegt an vielen Orten ein geradezu verführerischer Duft von den zahlreichen kleinen Leckereien in der Luft.
Das Flötenkonzert in Wallrabenstein ist zu Ende und Pfarrerin Stefanie Glaser lädt zu einer geführten Meditation im großen Lichterlabyrinth im Pfarrgarten ein. Viele nehmen das Angebot war, es werden kleine Gruppen eingeteilt, gleich mehrfach geht Glaser durch das Labyrinth von Chartres. „Mit einer so großen Nachfrage habe ich nicht gerechnet“, sagt sie bewegt. Viermal wird sie am Abend durch die Kerzen führen, an verschiedenen Stellen innehalten und über Steine, die man in seinem Leben mit uns herumschleppt sprechen. Am Ende, in der Mitte des Labyrinths, legen alle ihren Stein ab. „Haben Sie das Gebet für mich geschrieben?“, fragt eine Besucherin spontan. Schweigend gehen sie den Weg durch das Labyrinth zurück zu Ausgang.
In den zahlreichen Gästebüchern bedanken sich die Besucher dafür, dass die Kirchen in einer einzigartigen Atmosphäre zu erleben sind. Licht, Musik und die Freundlichkeit der engagierten Mitarbeitenden werden gelobt. Das alles gilt als Markenzeichen der Nacht der Kirchen. „Wir haben hier viele Besucher gehabt, die wir sonst selten sehen, freut sich Kirchenvorsteherin Silvia Koss. „Wir erhalten viele positiven Rückmeldungen, die Besucher sagen uns, dass sie sich wohlgefühlt haben und es ihnen gut getan hat“, fügt sie hinzu.
Mittlerweile haben die Besucher im Walsdorfer Kirchturmzimmer die verschiedenen Obstsorten herausgeschmeckt: Apfel, Feigen und Birne. Dazu hören sie passend Verse aus der Schöpfungsgeschichte: „Hinne noch stand der Adam. Allez macht eusch hinaas!“ ruft Gott. Klagt der Adam: Hätst nur de vermalledeide Abbel net abgemacht, jetzt sin mer ganz nackisch!“ So klingt die Vertreibung aus dem Paradies in Walsdorfer Mundart.
Die drei Wörsdorfer Alphornbläserinnen und die Besucher sind inzwischen vor die Kirche gegangen. „Der Abend begann mit einem Vorlesewettbewerb und einer wunderschönen Luftballonaktion in einer brechend vollen Kirche“, berichtet Pfarrer Ralf Wolter. Die Nacht war lang, viele sind inzwischen nach Hause gegangen. Dennoch sind noch gut 60 Menschen da und erleben staunend, wie ein starker Scheinwerfer eingeschaltet und die Lukaskirche zum ersten Mal nachts angestrahlt wird.
Die singende Pilgergruppe ist endlich in Strinz-Trinitatis angekommen. Gemeinsam singen sie noch ein letztes Lied: „Weißt Du wie viel Sternlein stehen“. Eine heisere Pfarrerin Gabriele Scheid blickt müde in die volle Kirche und freut sich besonders, „dass so viele Kinder und Jugendliche mitgekommen sind.“ Zeitweise waren es knapp hundert Menschen, die von Kirche zu Kirche zogen.
Überall im Idsteiner Land werden die Kerzen in den Kirchen gelöscht. Das gemeinsame Nachtgebet aus 24 Kirchen ist verstummt, die Besucher gehen mit dem Segen Gottes nach Hause. „Wir haben die Nacht zum Tag gemacht, doch nun ist sie weit vorgedrungen, bleibe bei uns, wenn wir uns auf unsere je eigenen Weg machen“, heißt es im gemeinsamen Nachtgebet. Im Segen verbindet sich der Dank an die vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden, die diese Nacht erst möglich gemacht haben: d

